Freitag, 6. Juli 2012

Das Shitkatapult

Hat sich schon mal jemand gefragt, warum man für einen konventionellen Radiosender eine Konzession benötigt? Das Medium Radio ist ein Sprachrohr. Jemand der durch ein Sprachrohr spricht und dieses als Instrument verwendet, hätte theoretisch die Macht seine radikalen Ideologien und Philosophien relativ einfach an eine breite Masse zu bringen. Darum schaut man bei den Bewerbungen für diese Konzessionen ziemlich genau hin. Zu Recht. Bei den Neuen „Social Medias“ ist das anders. Es gibt keine Instanz welche vorsorglich kontrolliert was ich in meinem Facebook Profil poste, bzw. unter meinem Namen in irgendwelche Gruppen oder Veranstaltungen schreibe. Zwar könnten mich andere User sperren lassen, aber ich wage zu behaupten dass dieses Werkzeug kaum genutzt wird solange ich nicht gerade Bösartigkeiten über behinderte schwarze Frauen verbreite (stellvertretendes Beispiel für Rassismus, Randgruppen und Frauenfeindlichekeiten etc.). Natürlich, der Effekt ist nicht derselbe wie beim Radio. Und damit ein solches „social bashing“ auch giesskannenartig auf die Köpfe der breiten Masse rieseln kann, muss der digitale Sozialkreis auch dementsprechend gross sein (Anzahl Freunde, „Likes“ oder Gruppenmitglieder). Könnte man meinen. Aber auch die kleine Klara aus B. mit einem Freundesradius von 13 Freunden schafft es, sich über Umwege Gehör bei der grossen Masse zu verschaffen. Angenommen die kleine Klara nimmt an einem Grossanlass Teil mit 20`000 Zusagen und angenommen, an diesem Anlass kommt es zu einem unangenehmen Ereignis, so kann man davon ausgehen, dass ein Grossteil der Teilnehmenden nach dem Anlass die besagte Veranstaltungsseite bei Facebook erneut aufsucht um sich mit Anderen darüber auszutauschen. Wenn nun also die kleine Klara auf der Veranstaltungsseite per Eintrag zur Revolution gegen das Organisationskomitee aufruft, erreicht sie plötzlich nicht nur ihre 13 Freunde sondern je nach dem Tausende. Die Saat für den Shitstorm ist ausgetragen. Die Möglichkeit sich auf Facebook zu partizipieren bietet sich jedem mit einem Account. Dies ruft auch den Dorftrottel auf den Plan um seine Meinung zu deponieren. Bald kommt der Dorftrottel vom Nachbarkaff hinzu und schon entwickelt sich die Eigendynamik….und tausende lesen mit, agieren und reagieren. Jeder darf mal ans Shitkatapult um verbal in alle Richtungen zu exkrementieren. Dieses neue Phänomen muss nicht zwingend schlecht sein und schliesslich darf auch der Dorftrottel eine Meinung haben. Was aber nicht heissen muss, dass er nun vor Tausenden auf eine Kanzel steigen soll um seine Ergüsse zu predigen und dem Teufel den Krieg zu erklären. Aber der Umstand, dass nun Jeder und Jede eine anscheinend wichtige Meinung in der Öffentlichkeit zu vertreten hat, muss bei einer solch degenerierten Gesellschaft wie wir sie aufrechterhalten, zwingend dazu führen, dass die Welt ein Dorf wird in welchem wir die Dorftrottel durchnummerieren können.

Dienstag, 20. März 2012

Offener Brief an Nationalrat Lukas Reimann (SVP)



Anlässlich des Abstimmungsresultats des Nationalrats zur Motion "Finanzierungstransparenz der Parteien" habe ich dem SVP Nationalrat Lukas Reimann einen offenen Brief geschickt. Sollte Herr Reimann darauf antworten, werde ich den Brief später hier öffentlich machen.


Grüezi Herr Reimann
Kürzlich machten Sie sich stark für Ihre selbstlancierte "Transparenz Initiative". Die Motion im Nationalrat zur Offenlegung der Finanzierungsquellen der Parteien haben Sie aber, nach dem Tenor Ihrer Partei, abgelehnt. Wie legitimieren Sie das?
Auf Ihrer Homepage lese ich Sätze wie „Transparenz ist ein zentrales Kernelement der Freiheit.“ Das ist ein krasser Widerspruch im Angesicht ihrer Haltung zur Offenlegung der Parteisponsoren. Haben Sie auf Druck Ihrer Parteigeneräle die Meinung geändert oder geht es Ihnen nur darum, die Einkommen einzelner Politiker zu durchleuchten? Falls das zweite der Fall sein sollte, dann frage ich mich was fataler ist für unsere direkte Demokratie: einzelne Politiker welche durch nebenamtliche Tätigkeiten ihren Monatslohn aufpolieren oder ganze Parteien welche von den Lobbys regelrecht gekauft werden?
Hier gehen den bürgerlichen Parteien die Argumente aus. Die Finanzierungstransparenz würde die SVP, FDP und BDP vermutlich in unangenehme Erklärungsnot bringen. Die einstimmig ablehnende Haltung zur Finanztransparenz aller bürgerlichen Parteien (100%) ist somit ein stilles Eingeständnis zur Geheimniskrämerei. Als Gegenbegriff eines Geheimnis gelten die Ausdrücke „Öffentlichkeit“ und „Transparenz“. Transparenz wird in der Regel da verhindert, wo man Information nicht zugänglich machen will. Die Vorenthaltung von Information, ganz speziell in der Politik, unterliegt doch der Tatsache, dass man aufgrund von eventuellen Wählerprozent Verlusten unangenehme oder brisante Information lieber unter der Hand hält als diese dem Volk zugänglich zu machen. „Unagenehme Information“ beinhaltet hier vermutlich die Tatsache, dass die Geldgeber der Partei einen immensen Einfluss auf die Gestaltung des Parteiprogramms haben. Das wiederum nennt man Lobbyismus und sollte in der Politik, ganz besonders in einer direkten Demokratie mit dem Volk als Souverän, mit aller Härte verhindert werden. im Grunde also nichts Anderes wie Sie, Herr Reimann, in ihrer Transparenz Initiative fordern. Warum also sind Sie eingeknickt?


Sonntag, 5. Februar 2012

Swiss Music Awards 2012


Nominiert in der Kategorie "Best Album Dance National" ist neben Dj Antoine und Mr. Da Nos ein gewisser Mike Candys (siehe Bild). Auch auf die Gefahr hin, Werbung für diese 3 Fragezeichen zu machen, kann ich das irgendwie nicht einfach so kommentarlos im Raum stehen lassen.
Vom ewigen Underground Bünzli DJ Antoine und Mr. Da Nos hat man ja gezwungernermassen schon mal gehört wenn man nicht gerade im Vallée de Joux in einer Höhle wohnt und den ganzen Tag Speere schnitzt.
Mike Candys aber war mir unbekannt. Das könnte man evtl. darauf zurückführen, dass ich diamtetral an seinem Zielpublikum vorbei schiesse, oder dass ich einfach mittlerweile zu alt bin und dass mein intstiktiver Medien Müllfilter seine Pflichten immer noch tadellos erfüllt.
Und trotzdem: irgendwie und irgendwann hätte ich doch mal was hören oder sehen müssen von diesem armseligen schweizer DEADMAU5 Plagiat.
Die Clicks auf seiner Soundcloud, die Facebook likes und die Youtube views sprechen eigentlich für sich und sind sehr beachtlich.
Diese Dance Music Award Geschichte beginnt ja mit der Nomination von Antoine und Da Nos schon traurig genug. Da fragt man sich im ersten Moment schon ob die "clubbing" Schweiz nicht mehr zu bieten hat. Auf den zweiten Gedanken, bin ich dann aber schon wieder dankbar, dass der Mainstream sich mit solch flachem Marionetten Techno zufrieden gibt. Soll doch der Töneli weiterhin bei Benissimo auftretten und Mr. Da Nos beim Promi Special von Sven Epineys "5 gegen 5" der ewige Stargast bleiben. Ich mags euch ja gönnen!

Mit dem plötzlichen Auftreten von diesem Mike Candys hat sich aber mein ohnehin schon schwarzgefärbter Pessimismus was die offziellen Music Charts betrifft, noch eine Nuance dunkler gefärbt. Ich meine, dass seine musiklischen Hyper Hyper Elektro Black Eyed Peas Dirty Dancing Remixes mich kalt lassen werden, war mir bereits bei der blossen Kenntnisnahme seiner Nomination klar. Was mich aber überaschte war, dass diese Kommode weiter unten noch eine Schublade hat! Kaum zu fassen wie unglaublich anspruchslos jemand sein muss, wenn man sich so offensichtlich auf der Bühne zu verkleiden versucht wie der kanadische Top Produzent DEADMAU5 (falls es noch Jemanden gibt da draussen, zum Beispiel im Vallée de Joux, der nicht weiss wer DEADMAU5 ist -> CLICK).
Das im Technobereich geklaut, gesamplet und gecuttet wird ist ja nichts neues, dass man jetzt aber auf direkteste Art und Weise beginnt Markenzeichen zu klauen weil man selber keine Ideen hat, ist ja wiedermal selbstredend für diesen ganzen oberflächlichen Mainstream Top 20 Sumpf der Major Labels. Aber wehe jemand ladet ein paar MP3 illegal runter!

Aber irgendwie kann man es Mike Candys dann doch nicht übel nehmen. Es gab schon tausend Andere arme Würstchen die sich mit fremden Federn so zu schmücken wussten, damit sie dick abkassieren konnten. Und das ist ja, zumindest für den Mike, auch nicht schlecht solange sein Gewissen mitspielt und Joel Zimmermann (Deadmau5) ihm nicht die Zähne aus dem Smiley Schädel haut. Doch scheinbar hat der Mike sich nicht nur was sein Äusseres betrifft bei Anderen bedient, sondern auch musikalisch soll er dick abgekupfert haben: bei niemand anderem als DJ Antoine (CLICK). (Hier wird übler im Schlamm gedroschen als im Dschungelcamp).

Aber die grosse Tragödie findet in meinen Augen beim Konsumenten statt. Antoine, Da Nos & Co. werden schliesslich für solche Awards nominiert weil die Verkaufszahlen stimmen (oder doch nicht?).
Die Traurigkeit der Umstände liegt darin, dass der Käufer eines Mike Candys Tonträgers es einfach so hinnimmt, dass schlicht weg alles zusammengeklaut ist. Irgendjemand hat mal gesagt "wenn du schon klaust, dann so dass es niemand merkt". Aber auch diese Anstandshürde scheint heute eingerissen zu sein. Subtiles klauen gibts nicht mehr. Und dem Konsument ists egal.

Warum werden also solche Fake Produkte gekauft? Vielleicht weil Candys Zielgruppe zu jung ist um DEADMAU5 zu kennen und somit auch nicht merkt, dass Candys ein Wiederkäuer ist? Oder weil Mike Candys von einem dreisten Produzenten künstlich installiert wurde um gross Kohle zu machen, nach dem Motto: Was bei der Mau5 funktioniert hat, geht auch mit einem Smiley?
Oder These Nummer 3: Das anspruchslose Massenpublikum ist leicht in Entzückung zu versetzen. Denn im Zeitalter der ewigen Suche nach dem Superstar, bricht die grosse Masse ja bereits in euphorischen Jubel aus, wenn zum Beispiel jemand auf der Bühne ankündigt einen Stuhl zu essen. Und wenn er dann noch eine Smiley Maske auf hat....dann, ja dann haben wir uns einen astreinen Superstar zusammen gebacken.








Dienstag, 6. September 2011

Wie funktioniert eigentlich diese SVP?



Die Maus und ich die fragen sich: wie kann eine Partei wie die SVP beim Volk funktionieren? Welche Mechanismen werden da betätigt? Welche Bedürfnisse bedient und welche Verpsrechungen ans Volk gemacht. Warum wird die SVP so erfolgreich gewählt?

Dafür verantwortlich ist meiner Meinung nach nicht etwa das Propaganda Budget in Millionenhöhe (welches immer noch aus dunklen Quellen fliesst). Auch nicht die vorgegaukelte Volksnähe oder die Assoziation, dass nur "der wahre Schweizer" SVP wählt. Nein, das Erfolgsfundament ist viel profaner. Salopp gesagt, könnte die SVP eigentlich genauso gut Waschpulver verkaufen. Und dies vermutlich sehr erfolgreich. Die Marketingstrategie ist dieselebe: einsilbig, schlagkräftig, diffamierend (Wir waschen weisser als herkömmliche Waschmittel).
Doch damit ist es noch nicht getan. Das wichtigste Kredo der SVP: "keep it simple". Der zürcher SVP Kantonalparteipräsident Freddy Heer bringt es (hinsichtlicher ihrer Niederlage vom letzten Wochenende gegen das Sozialhilfegesetz in Zürich) selber auf den Punkt: "Es sei schwierig eine solch Komplexe Vorlage und unsere Haltung dazu auf einem Plakat rüberzubringen". Danke Fredy! Sobald also schlagkräftige Kraftwörter wie VERBOT, AUSSCHAFFUNG oder STOPP, differenzierter Argumentation weichen muss, schlafft der SVPsche Propaganda Phallus in sich zusammen. Was sagt uns das? Dem durchschnittlen Menschen reichen holzschnittartige, grobmotorisch verfasste und revolverblattartige Warnhinweise um seine Meinung zu bilden oder zumindest diese zu stärken. Was die Werbestrategen dieser Partei kapiert haben ist die Tatsache, dass Oberflächlichkeit der breiten Masse genügend ist. Nicht um sonst sind weltweit Boulevard Zeitungen die meistverkauften Printmedien. Headlines statt Inhalt, schreien statt diskutieren, verbieten statt lösen. Zum Vorteil der SVP zählt nämlich, dass sie Probleme nicht pragmatisch lösen, sondern diese grundsätzlich und systematisch abschieben wollen. Die Abschiebung eines Problems erfordert keine eigentlichen Lösungsansätze oder differenzierte Argumentation, ist platzsparend auf Plakaten, ermöglicht attraktive und oberflächliche Gestaltungsmöglichkeiten und kann im Zweifelsfall sogar mit Hyroglyphen dargestellt werden. Das kapiert jeder! Man muss nicht mal lesen können.
Es geht nicht darum den Dialog zu suchen und Kompromisse zu finden, nein man macht sich die einfachste aller denkbaren Möglichkeiten zunutze: man sucht Schuldige. In der SVP Welt ist immer jemand Verantwortlich für das Debakel, jemand ist immer da welcher den schwarzen Peter schlucken muss. Das ist nicht nur praktisch und propagandastrategisch leicht zu vermarketen, nein damit lässt sich auch ganz gut Stimmung machen. Hinrichtung per Guillotine vor dem Palast, Hexenverbrennung auf dem Dorfplatz, Brot und Spiele in der Arena. Schon immer hat sich die Masse daran gelabbt einen Schuldigen zu wissen und diesen bestraft zu sehen. Das ist die einfachste und effektivste Variante ein Problem zu ignorieren. Dass der Kollaterlaschaden bei dieser Taktik sehr hoch ist, interessiert den Bürger kaum. Wenn die Hexe schon am brennen ist, interessiert es niemanden mehr ob sie tatsächlich zaubern kann oder nicht. Wenn der Asylant gar nicht erst in die Schweiz einreisen darf, interessiert es niemanden ob er wirklich an Leib und Leben bedroht, oder doch nur ein Wirtschaftsflüchtling ist. Eine simple Strategie eigentlich: den Kuchen alleine essen , das Problem vor der Türe lassen um somit zu verhindern, dass man vielleicht ein Stück Kuchen abgeben muss.

Diese einfache Strategie hat zur Folge, dass andere Parteien mit anderen Strategien neben der SVP verblassen. Andere Parteien begnügen sich oft nicht mit einsibligen Kraftausdrücken wie STOPP, AUSSCHAFFUNG etc. sondern versuchen die unter Umständen komplizierte Sachlage differenziert zu beurteilen und zu lösen (nicht verbieten, abschieben oder verlagern). Und wie bereits Fredy Heer festgestellt hat, ist es nicht einfach, komplizierte Sachverhalte für jeden verständlich und schlagkräftig auf ein Plakat zu bringen.
Das klingt irgendwie komisch, is aber so.

Donnerstag, 25. November 2010

Blocher Referat

Erlebnisbericht: Blocher Vortrag zum Thema "wie steht es um unsere Politiker?" organisiert von der SVP Säuliamt in Affoltern am Albis.

Erster Eindruck:
Schon gleich zu Beginn kamen wir uns vor wie Falschgeld. Das Durchschnittsalter war etwa bei 61 Jahren. Wobei ich, soweit ich mir die Leute angeschaut habe, etwa der zweitjüngste im Saal war. Es waren ca. 150-200 Leute im Kasinosaal anwesend. Das hat mich insofern erstaunt, weil die SVP nach neuen Trends gerade bei Jungen anscheinend Anklang finden soll.

Kernthemen:
Inhaltlich hatte das Referat eigentlich relativ wenig mit dem Titelthema am Hut. Blocher referierte über die Kernthemen der Partei, sprich Neutralität, EU, Ausländer und ferner über die Schweizer Wirtschaft und die intelektuelle Schweizer Elite .

Auftritt:
Faszinierend war vorallem Blochers Auftreten und dessen Rethorik. Er kam auf die Bühne und hing sich quasi übers Rednerpult wie ein fauler Sack. Sein ganzes Auftreten widersprach allen gängigen Normen der Kunst des professionellen Referates. Und genau deshalb funktioniert Blocher bei dieser Bevölkerungsschicht. Nie hatte man das Gefühl zu jemandem hochzuschauen, er begegnet seinen Anhängern auf Augenhöhe, benutzt saloppe Redewendungen, vermeidet Fremdwörter und flucht auch mal gerne wie am Stammstich. Das zeigt Wirkung, auch bei mir. er erarbeitet sich eine kollegiale Basis, streut Witze ein, redet aus dem Stehgreif ohne auch nur einmal irgendwo auf eine Notiz zu schielen. Man merkt sofort, dass er in allem was er sagt überzeugt und sattelfest ist. 30 jahre lang durch die Sääle zu ziehen und Referate zu halten haben Blocher wirklich gut geschult.

Inhalt:
inhaltlich konnte er natülich wenig Punkte machen bei mir. Trotzdem gab es bereiche bei denen ich mit ihm übereinstimmte. Beim Thema EU Beitritt gab es wenig bis gar keine Diskrepanzen. Interessante Erläuterungen zum Thema einheitliche Währung EURO im Zusammenhang mit dem Staatsbankrott von PIGS (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien) waren wirklich aufschlussreich und nachvollziehbar. Auch seine Behauptung dass die EU ein "intelektuelles und theoretisches Kontrukt" vernab der funktionierenden Praxis sei, musste ich ihm beipflichten. Bei differenzierten Themen wie Neutralität und Personefreizügigkeit gings dann aber bereits los mit den Differenzen. Blochers Neutralität implementiert die völlige Isolation der Schweiz bei kontinentalen und globalen Konfliktlösungen. Versinnbildlicht müsste die Schweiz, wenn es nach der SVP ginge, eine Wand rund um die Schweiz ziehen. Das klassische Bild der rosinenpicker Schweiz à la SVP wurde gefestigt. Auch die Polemik von der Aushöhlung unserer Solzialwerke verursacht durch die Personenfreizügigkeit wurde genährt. Blocher erweckt den Eindruck dass JEDER welcher in die Schweiz kommt um zu arbeiten, sich nach wenigen Tagen arbeitslos meldet um Geld vom Staat zu kassieren.

Richtig schmutzig wurde es erwartungsgemäss beim Thema Asylpolitk. Blocher lobte sich dafür, dass er während seiner Bundesratskandidatur die Asylbewilligungen von 16000 auf 10000 runtersetzen konnte. Nicht mit einem Wort wurde erwähnt, dass es sich dabei um Menschleben handelte, um Flüchtliche die aus Kriegsgebieten flüchteten. Einzig und allein die zahl 10000 war relevant für ihn. das Wort Krieg fiel kein einziges mal in diesem Zusammenhang. Ausserdem hielt er es nicht für notwendig zu erwähnen, dass im allgemeinenen während seiner Amtszeit verhältnismässig wenig Flüchtlinge nach Europa strömten und die Asylgesuche auch in anderen Ländern zahlenmässig zurückgingen. Weiter erweckte er den Eindruck, dass jeder Nigerianer hier in der Schweiz mit Koks dealt.

Themen wie Verhältnismässigkeit von Delikten in bezug auf die Ausschaffungsinitiative wurden komplett weggelassen. Nur die schwammige, gut geölte und leicht abzunickende Parole "wer kriminell ist muss gehen" wurde immer wieder wiederholt.

die Völkerrechte werden natürlich weiterhin angezweifelt weil sie "von Linken intelektuellen Theoretikern" aufgestellt wurden und nicht von Völkern. Des weitern warnte er vor CH politikern die gerne "salonfähie Lügen" verbreiten. Salonfähige Lügen sind Aussagen welche bewusst einen Teil der Wahrheit wegglassen.... die SVP Hauptdisziplin also. Lachhaft.

Fazit:
Es war ein sehr interessanter und aufschlussreicher Abend mit einem Blocher in Hochform. Dieser Mann ist halt einfach ein charismatischer Charakterkopf welcher bei einem Grossteil der CH Bevölkerung, mit seiner einfachen Art, auf Gleichgessinung stösst. Spannend waren zum Teil auch Zuhörerreaktionen: leise Lacher bei abschätzigen Aussagen über kriminelle Ausländer oder betroffenes Nicken weil "wir komplett überfremdet sind". Bei diesem Alterdurchschnitt wunderts mich auch nicht dass "die konsrervative Blocher Schweiz" sehr willkommen ist bei der Basis. Die Devise lautet: sich aus allen Problemen rauszuhalten und keine Angriffsfläche bieten, Nichts preisgeben..und das in allen Bereichen, never touch a running system. egal was rund um die Schweiz passiert. Solange es uns gut geht, interessierts uns einen Dreck was Andere tun, egal ob da ein Genozid stattfindet oder eine Hungersnot ausbricht. Eine zutiefst asoziale, egoistische Message.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Massenhysterie leicht gemacht


Dieser Tage braucht es verdammt wenig um eine Massenhysterie auszulösen. So geschehen in Amsterdam: Bei einer Gedenkveranstaltung für Hollands Kriegstote, schrie ein Mann während der Schweigeminute unverständliche Worte, ein anderer zeigte gleichzeitig auf einen herum steheneden Koffer. Zwei Minuten später lagen 63 Verletzte auf dem Boden, ohne das eine Bombe explodiert wäre. Instant Panik leicht gemacht.
Ein Beispiel dafür, dass unsere Gesellschaft auf Nadeln lebt und hinter jeder Ecke Böses erwartet wird. Der gescheiterte Bombenanschlag in New York dürfte solche Ängste festigen.
von einem sachlichen Standunkt betrachtet, ist eine solche Hysterie ein faszienierendes Phänomen. Schneller als ein Lauffeuer verbereitet sich Panik in einer Menschenansammlung. Auch wenn das einzelne Individuum den Grund für die Panik nicht kennt, lässt es sich sofort anstecken. Im Beispiel von Amsterdam hat irgendwo ein Mann in Kauderwelsch geschriehen und die Menschen um ihn herum rannten weg. Es kann also davon ausgegegangen werden, dass die Menschen die weiter enfernt waren, nicht mitbekommen haben was da vor sich ging, vielleicht sogar nicht mal gehört haben, dass da jemand in Kauderwelsch Panik verbreitet. Trotzdem lässt man sich vom Impuls der Masse infizieren und rennt weg, obwohl man nicht weiss vor was. Was für eine Scheiss Situation! Da sitzen wir nun, in einer Badewanne voller Benzin und plötzlich kommt einer mit einer Feuerzeug Attrappe.


Massenhysterie leicht gemacht:


- Kleben sie ein ISO 21482 Symbol (internationales Zeichen für Radioaktivität) auf eine verchromte Kaffe Thermoskanne und fallen sie in an einem Samstag Nachmittag in einem Supermarkt theatralisch in Ohnmacht (...und der Deckel der Thermoskanne kullert langsam in Richtung Teigwarenabteilung).

- Lassen sie sich einen Bart wachsen und stehen sie mit einem Spielzeug Autorennbahn Controller vor einen McDonalds und schauen in den Himmel.

- Fragen sie im Flugzeug: "Muss der Flügel brennen?"

- Fragen sie im vollen Arzt Wartezimmer ob sonst noch jemand Lepra hat.

- Gehen sie mit einer offenen Ketchup Flasche ins volle Schwimmbecken

- Malen sie sich rot an, kleben sich ein paar Hörner an die Stirn, brechen nachts in ein Kloster ein, laufen durch die Gänge und lesen sie laut die Zeitung rückwärts.

- Treiben sie ein Rudel Säue nach einer Schweinegrippe Pandemie Warnung durch die Strassen und rufen "Menschen sind doof".

Donnerstag, 25. März 2010

Festival

Leider kacken die Festivals dieser Jahr in der Schweiz lineup mässig ein weiters mal ab. Der eine oder andere Leckerbissen ist zwar dabei, doch die richtigen Magnete fehlen für mich auch dieses Jahr. deshalb hab ich mir kurzerhand mein eigenes, imaginäres Festival zusammengestellt.